Netto, Shitstürme + Dr.Waumiau – Teil 2: 1000 Favs und die Ernsthaftigkeit von Twitter

Satire darf alles.“

Erwähnte ich schon, dass ich Twitter in letzter Zeit scheiße finde? Falls nicht, wissen Sie es spätestens jetzt. Der Großteil von Ihnen nimmt Twitter viel zu ernst. Ich habe es getestet. Und zwar mit erschreckendem Ergebnis. Es folgt keine empirische Studie, sondern eine kleine Anekdote aus meiner putzigen Online-Existenz.

 1. Ist das noch Twitter oder schon Facebook?

Hier herrscht verkehrte Welt und das nicht erst seit gestern. Hitler-Witze sind geil und völlig okay, aber bei dem Wort „Zigeuner“ wird plötzlich die ‘political correctness’ gefordert. Sexismus geht natürlich auch gar nicht, wenn er von Männern kommt, Frauen hingegen dürfen ganze Bücher damit füllen. Tweetklau prangern wir auch an, posten aber trotzdem munter Bilder ohne Quellenangabe, die wir gar nicht gemacht haben. Doppelmoral gibt es auf Twitter im Jamba-Sparabo. 

Man spendet Geld für jemanden, der offenkundig alle Menschen hasst, dem Dankbarkeit und Demut fremd sind und regt sich hinterher darüber auf, dass dieser Mensch so ist wie er ist. Und dann so ein Shitstorm, seien Sie doch mal ehrlich, passt einigen von Ihnen ja schon manchmal in den eigenen Kram, wenn Sie nicht gerade selbst betroffen sind, oder? 

Und dass die abgeschickte Reply in Wahrheit eine ekelhafte Beleidigung war, macht ja nichts weil man sich prima unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit verschanzen kann.

Ich könnte hier noch etliche Beispiele nennen, aber soviel zu meiner Einleitung. Ich will nicht jammern. Darum geht es mir gar nicht. Das ist meine Ausgangsposition.

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Ich schreibe dies auf, damit diejenigen die sich fragen was der Waumiau da nun eigentlich macht bzw. bezwecken wollte, eine Antwort bekommen (auch wenn Sie nicht gefragt haben). Es gab DMs und Zuschriften, ob dies ein künstlerische Aktion à la Piero Manzoni werden soll, oder ob ich völlig den Verstand verloren hätte.

Ja sogar von der bösen und abgehobenen „Elite“ war plötzlich wieder die Rede, die sich nur selbst feiert und ansonsten nichts kann. Das Ganze war von zahlreichen Unfollows und Blocks begleitet.

Klar könnte ich mich wie blöde freuen, dass ich Sie verladen habe, aber ich tue es nicht. Um ehrlich zu sein, hatte ich mit diesem Ergebnis nicht gerechnet.

Wir halten uns für soviel klüger als der durchschnittliche Facebooknutzer und kommen doch aus der selben Jauchegebrube, die den schönen Namen Gesellschaft hat.

 2. Warum das alles?

Wie ich bereits im ersten Teil anführte, vermisse ich zunehmend die Leichtigkeit mit der wir alle Twitter sehen und nehmen sollten.

Daher schrieb ich wie auch sonst kürzlich den besagte Tweet in Anlehnung an unzählige Facebook-Aktionen „Für xxxx Likes mache ich das und das“. Es erschien mir passend auf das niedrige FB-Niveau zu wechseln. Was zunächst ein unspektakulärer Tweet war, sollte meine aufkeimende Sicht auf Ihre Wahrnehmung von Twitter bestätigen.

Wer mich aufmerksam liest, sollte eigentlich bemerkt haben, dass 95% meiner Tweets Satire bzw. völliger Unsinn sind. (Die Follower, die durch die Aktion neu dazu gekommen sind, lasse ich außen vor.) Und wenn ich ehrlich bin, habe ich zwar einen 50er oder 100 Sterne Tweet erwartet, aber keinesfalls das Ergebnis, wie es sich nun letzten Endes präsentierte.

Aber nachdem der Tweet innerhalb kürzester Zeit die 500er Marke passierte, war mir klar, dass ein Großteil von Ihnen tatsächlich glaubt, ich wäre verrückt genug vor Netto zu koten. Und obwohl es vielleicht unklug war, beschloss ich das Spiel mitzuspielen unter dem Motto „Wenn schon, denn schon.“ Gesagt, getan. Ich fasste den Plan die Aktion auf die Spitze zu treiben, indem ich das dazugehörige Video anfertigte und Scherzartikel-Kot erwarb, um mich vor Netto ablichten zu lassen.

3. War das jetzt nun echt oder nicht?

Wer wirklich geglaubt hat ich würde für 1000 Favs meine Entleerung vor Netto für Sie ablichten, sollte ernsthaft in Betracht ziehen, seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen zu lassen. Ich entschuldige mich nachträglich für die Boshaftigkeit, mit der ich die Aktion auf die Spitze getrieben habe.

Die Quittung bekam ich gestern kurz vor Ablauf der dazugehörigen eBay-Auktion. Jemand, der das ganze zu ernst genommen hat, meldete das Angebot kurzerhand als anstößig.

Der Höchstbietende war jedoch damit einverstanden bei der Wiedereinstellung des Artikels den entsprechenden Preis erneut zu bieten.

4. Warum die eBay-Auktion?

Aus Scheiße Geld zu machen, für den guten Zweck. Es war ein abschließendes Experiment. Ich wollte aufzeigen, dass sich die meisten hier für Scheiße interessieren und diese ernst nehmen, aber nicht in der Lage sind einen wirklich guten Zweck zu unterstützen. Ich werde dies nicht wiederholen. Ich wollte aus dieser Nonsens-Aktion etwas Gutes machen und habe mir zu diesem Zweck gedacht meine Requisite zu versteigern.

Der Erlös des Verkaufs wird von mir an die Kinderkrebshilfe gespendet.

5. Und Netto?

Ich möchte hier an dieser Stelle erwähnen, dass es mir nie darum ging Netto anzugreifen, sondern einfach eine lustige durchgeknallte Aktion loszutreten, die uns daran erinnert wie verrückt und lustig Twitter sein kann. Das Schreiben von Netto nutzte ich quasi als eine Art MacGuffin. Im übrigen ist immer noch unklar, ob es echt ist oder nicht. Ich persönlich glaube, dass es gefälscht ist. Ich habe jedoch auch schon gegenteilige Meinungen gehört.

6. Und jetzt? 

Das war’s dazu. Vielleicht habe ich Sie ja zum Nachdenken gebracht. Vielleicht ist es Ihnen aber auch scheißegal und Sie möchten jetzt entfolgen. Bitte tun Sie das dann.

Danke an die zahlreichen Unterstützer für die netten DMs und WA-Nachrichten. Ich habe viel gelacht, was mich letzten Endes davon abgelenkt hat, dass ich Twitter in letzter Zeit so mäßig unterhaltsam fand. Ich bereue die Aktion daher nicht. Im Gegenteil.

Ich kann nun weiter machen wie bisher, wohl wissend, dass einige von Ihnen mich im stillen Kämmerlein für unzurechnungsfähig und total verrückt halten.

Deswegen fällt mir noch lange kein Ei aus der Hose. Hier geht es mir vorrangig um Spaß, Unsinn und Blödeleien. Und wenn ab und zu mal ein ernsthafter Gedanke zwischen meine Tweets rutscht, sehen Sie es mir nach.

Bitte bleiben Sie geschmeidig, nehmen Sie nicht immer alles so ernst und essen Sie mal wieder eine Wurst.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Herzlichst

Ihr Dr.Waumiau

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Netto, Shitstürme + Dr.Waumiau – Teil 1: Der Fake

Das Internet ist eine mächtige Waffe, bei der im entscheidenden Moment der Schlagbolzen klemmt, die aber sonst immer versehentlich losgeht.“

Da ist er nun. Der Blogeintrag der mir seit Tagen im Kopf herum spukt und den ich eigentlich erst später schreiben wollte. Doch ein Teil von mir wartet begierig darauf ein paar Sachen loszuwerden. Ich teile ihn in zwei Teile auf, da ich hier zwei Seiten beleuchten möchte. Beginnen wir mit der Ausgangsituation.

Es begann letzte Woche recht harmlos. Wie auch andere war ich durch den Shitstorm bzw. die zwei Shitstürme, die die Spendenaktion vom Zopf hervorgerufen hatte, ziemlich genervt von Twitter und frustriert. Die Gründe dafür möchte ich hier nicht offen legen. Zu dem Thema wurde meiner Ansicht nach viel zuviel geschrieben. Manche Leute lieben es einfach zu provozieren und im Mittelpunkt zustehen.

Aus irgendeinem Grund lechzte ich nach Ablenkung und einer lustigen Version von Twitter, so wie ich es eigentlich immer in Erinnerung habe, wenn ich Nicht-Twitterern oder Neulingen davon berichte.

Doch aufgrund meiner miesen Laune und Frustration, hatte ich eine entsprechend niedrige Hemmschwelle, und so kam es, dass mir die Timeline mehrfach das ominöse Netto-Absageschreiben in die Hände spielte, das ich in meiner Wut mit entsprechendem Kommentar versah und sofort postete. Dass ich nicht der einzige war, der in seiner Aufregung so reagiert, soll hier an dieser Stelle keine Entschuldigung sein. Auch dass das Bild Stunden vorher bei Facebook die Runde machte, tröstet mich nicht über die Tatsache hinweg, dass ich letzten Endes einem Fake aufgesessen bin, wie ich nun feststellen musste.

Wer die Geschichte nicht kennt, hier ist der Link dazu: Netto-Verschwörung? – Discounter erstattet nach irrer Praktikumseinladung Anzeige 

Ein schönes Beispiel dafür mit welcher Eigendynamik das Internet funktioniert. Mit jedem Retweet und Fav bestärkt, kommt man manchmal nicht im Traum darauf zu denken, dass alles nur ein Schwindel ist. Auch die erste kurze Mitteilung von Netto habe ich zunächst kritisch beäugt, weil mir entsprechende Beweise, dass es sich um eine Fälschung handele, fehlten. Auch die Sache mit dem ausgedienten Briefpapier, das für das Schreiben benutzt wurde, wollte ich nicht glauben.

Erst mit der eidesstattlichen Versicherung der betroffenen Sachbearbeiterin und der nachfolgenden Anzeige gegen unbekannt, war ich bereit mir einzugestehen, dass ich hier auf eine Fälschung hereingefallen bin, was mich letztendlich dazu bewogen hat auch den Post zu löschen, da ich nicht dazu beitragen möchte die Unwahrheit weiter zu tragen.

Natürlich kamen von anderen Twitterern auch Nachfragen, ob das Schreiben von mir gewesen sei. Nein, ist es nicht. Der eine oder andere weiß vielleicht, dass ich nicht in Hodenhagen wohne und seit Jahren einen festen Vollzeitjob habe, der keinen Anlass für die Notwendigkeit einer Minijob-Bewerbung gibt. Alle anderen wissen es dann jetzt.

Aber ich schweife ab. Es gibt keine von mir auszumachende Ursprungsquelle für das Schreiben. Ich habe mich intensiv bemüht eine zu finden. Aber aufgrund der Vielzahl der Posts und der damit verbunden Verbreitung, ist es für mich unmöglich herauszufinden, woher es gekommen ist. Im Übrigen fehlen mir dafür auch das Talent und die Ausbildung eines Journalisten.

Ich möchte nur soviel dazu sagen, dass ich hoffe der Fälscher bekommt seine gerechte Strafe. (Das hatte ich mir ja auch für Netto gewünscht, als ich das Schreiben postete.)

Für mich habe ich jedoch eines gelernt, ich werde zukünftig Onlinequellen und Dokumente kritischer hinterfragen. 

In diesem Zusammenhang möchte ich mich für die Nachrichten und Beiträge von @KEAL_Berlin, @Duesenberg_ und @LarsWieland von der @rheinzeitung zum Thema bedanken, die diese Sache für alle aufgeklärt haben, wo der Rest (inklusive mir) zu faul war nachzuhaken.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Herzlichst,

Ihr Dr.Waumiau.

Lesen Sie in Kürze Teil 2: 1000 Favs und die Ernsthaftigkeit von Twitter.

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Shitstorm? – Seien Sie nett zueinander und essen Sie eine Wurst

Hallo, mein Name ist Dr.Waumiau. Sie kennen mich aus Filmen wie JETZT MAL ERNSTHAFT, WIR MÜSSEN REDEN und WARUM SIND WIR EIGENTLICH SO SCHEISSE ZUEINANDER?

Ich will Sie nicht bekehren und klugscheißen. “Jeder soll Twitter nutzen wie er möchte.” Doch so schön dieses Credo auch ist, damit beginnen auch schon allerlei putzige Probleme die uns mit dem Wunder der modernen Kommunikation aufgebürdet werden.

Und ähnlich wie im echten Leben ist die Grundvorraussetzung für Kommunikation zunächst einmal das Verständnis für den Autor bzw. den Erzähler. Und genau hier scheint es zu haken. Anscheinend ist es in Mode gekommen sich eher anzuspucken, als sich zuzuhören. Wir bestehen auf unserem Recht zur freien Meinungsäußerung und vergessen dabei, dass es nicht nur für uns gilt, sondern für jeden anderen Menschen auch.

Und wo eigentlich ein reger Dialog entspringen könnte, formiert sich auf Twitter vornehmlich eines: Der Shitstorm. Ein schönes Beispiel dafür, mit welcher Eigendynamik wohl damals Hexenverbrennungen funktioniert haben, die wir heute so sehr verachten.

Aber natürlich halten wir uns ja für was Besseres und solange keiner umgebracht wird, wird ja wohl ein bisschen rumkacken nicht schlimm sein, oder? Falsch gedacht. Freie Meinungsäußerung ist eine Sache, beleidigendes Rumgepupe eine ganz andere.

Ich vermisse immer mehr ein Mindestmaß an Toleranz, das mir meine Eltern mit auf den Lebensweg gegeben haben. Dass dies natürlich mit zuhören und nachdenken verbunden ist, muss ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. Wenn man das gemacht hat, darf man im Anschluss auch mit konstruktiver Kritik kontern, sofern man entsprechende Argumente beisammen hat. Okay, okay. Das ist natürlich eine ziemlich verträumte Einstellung die ich da erwarte. Und ich gebe zu, dass ich meiner eigenen Moralvorstellung wohl nicht genügen würde, wenn ich die Vergangenheit Revue passieren lasse.

Das bringt mich jedoch zu dem Punkt, der wie ich finde für alle gelten sollte. Wer nicht tolerieren kann, sollte ignorieren können. Ich lese oder höre eine Meinung und finde sie absurd, politisch unkorrekt oder total lächerlich. Sicherlich könnte ich jetzt eine hitzige Diskussion entfachen, indem ich dem Urheber sage wie blöd ich ihn und seine Meinung finde. Aber ernsthaft. Wozu?

Ich bin auf Twitter, um:

  1. Spaß zu haben
  2. Zeit totzuschlagen
  3. zu lachen
  4. meine Gedanken zu äußern
  5. nette Menschen kennenzulernen

Ich habe dafür das Stilmittel der Satire gewählt, weil ich denke, dass es mich und meine Denkweise sehr gut in 140 Zeichen transportiert. Ich möchte nicht ernsthaft mit Ihnen diskutieren oder Ihnen meine Meinung aufzwingen. Und ich denke, ich bin damit nicht der Einzige.

Die Gründe und Ursachen der Shitstorms, die ich in den letzten Jahren auf Twitter erlebt habe sind vielfältig. Es geht dabei nach meiner Beobachtung vorrangig nicht darum zu diskutieren oder zu verbessern, sondern vielmehr darum jemanden gezielt fertig zu machen.

Und egal ob es jetzt um Tweetklau, Tweetplagiate, politisch unkorrekte Äußerungen oder schwer nachvollziehbare Hilfeaufrufe für Freunde geht. Ein Shitstorm ist das Letzte was wir brauchen. Es fehlt ihm an Niveau und Respekt für den Mitmenschen, den wir im Alltag für selbstverständlich erachten (sollten).

Wenn Sie also das nächste Mal vor Ihrem digitalen Endgerät sitzen und etwas lesen, was Ihnen nicht gefällt, hier meine Vorschläge für Sie damit umzugehen:

  1. Schreiben Sie der Person eine DM oder Mail, wenn Sie sich kennen
  2. Entfolgen Sie die Person, wenn Sie deren Meinung zum Kotzen finden.
  3. Blocken oder Spamblocken Sie den Account, wenn die geäußerte Meinung den Rahmen der Menschlichkeit verlässt.
  4. Kochen Sie sich einen Beruhigungstee oder essen Sie eine Wurst.

Seien Sie nett zueinander, auch wenn es manchmal schwer fällt. Behandeln Sie andere Menschen, so wie Sie selbst gern behandelt werden würden.

Lassen Sie nicht zu, dass Twitter zu einem morbiden Facebook-Abklatsch wird. Lassen Sie es uns besser machen.

Herzlichst,

Ihr Dr. Waumiau

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